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Ausstellungseröffnung: Jecheskiel David Kirszenbaum

Karikaturen eines Bauhäuslers zur Weimarer Republik

Die Volkhochschule StarnbergAmmersee hat am Freitag, 15.03.2024 zur Eröffnung der Ausstellung „Jecheskiel David Kirszenbaum – Karikaturen eines Bauhäuslers zur Weimarer Republik“ ins beccult, Haus der Bürger und Vereine, in Pöcking eingeladen.
Die Ausstellung widmet sich einem ganz besonderen Aspekt des Schaffens von Kirszenbaum, sie zeigt die Themen und Probleme der ersten Demokratie in Deutschland, von denen uns viele bis heute beschäftigen. Unter den Gästen waren der Erste Bürgermeister Rainer Schnitzler, der Zweite Bürgermeister Albert Luppart und der 3. Bürgermeister und vhs-Aufsichtsrat Wolfram Staufenberg sowie die Sachgebietsleiterin Britt Grobholz und Karin Bergfeld, die Kulturreferentin der Gemeinde Feldafing.


Entstanden ist die Ausstellung vor rund 3 Jahren zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ an der Volkshochschule Weimar in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern und Förderern, so u.a. mit dem Goethe-Institut.
Stefan Müller, Kunsthistoriker und langjähriger Studium generale-Dozent an der Volkshochschule, führte ein in das Leben und Werk des verfemten und fast vergessenen Künstlers und führte im Anschluss mit viel Hintergrundinformationen durch die Ausstellung.


Jecheskiel David Kirszenbaum (1900-1954) war ein Maler und Karikaturist von hoher künstlerischer Qualität, was ihm Anerkennung am Bauhaus in Weimar ebenso wie in der Berliner Kunstszene der Zwanzigerjahre und später auch in Paris verschaffte.
Gleichermaßen beeindruckend wie zutiefst bedrückend ist allerdings auch sein Lebensweg vom polnischen Schtetl Staszów über Duisburg, Weimar und Berlin zum Montmartre in Paris, mehrfach verbunden mit erheblichen kulturellen Brüchen und Neuanfängen und nicht zuletzt mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Ermordung seiner Ehefrau in Auschwitz.


„Verfolgt – verfemt – vergessen“, fast könnte diese Alliteration über dem Leben des polnisch-französischen Künstlers und Bauhausschüler Kirszenbaum stehen, wäre da nicht sein Großneffe Nathan Diament. Der mittlerweile über achtzigjährige Holocaustüberlebende hat sich dem Bewahren der Werke seines Großonkels vor dem Vergessen gewidmet – und dies mit stetem Erfolg und immer wieder auch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut.


Kirszenbaums Karikaturen trafen den Zeitgeist der Weimarer Republik: Windige Kaufleute, die skrupellos Gewinne mit dubiosen Geschäften machen, Korruption in der Politik, die Gleichstellung der Frau oder aber auch der erstarkende Antisemitismus – Themen, die in der politischen Auseinandersetzung an Relevanz nicht verloren haben.


In dieser erstmals einzig den Karikaturen Kirszenbaums gewidmeten Ausstellung, die von rund 30 Volkshochschulen in Deutschland sowie auch in Paris und Jerusalem gezeigt wurde, werden diese außergewöhnlichen Arbeiten Kirszenbaums erläutert durch Zeitungsberichte, Fotos, historische Dokumente und Texte und somit in ihren gesellschafts- und kulturpolitischen Zusammenhängen dargestellt.


„Kirszenbaum, ein junger Mann von 25 Jahren mit Wurzeln im orthodoxen Judentum Polens, taucht in das brodelnde Leben der Roaring Twenties in Berlin ein und wird mit seinen Karikaturen zu einem kritischen Zeitzeugen der Fragestellungen wie dann auch des Niedergangs der Weimarer Republik“, resümiert Dr. Bernhard Post, der Kurator der Ausstellung, die Berliner Zeit Kirszenbaums.


Zu der Ausstellung wurde ein 90-seitiger Katalog veröffentlicht, der in Printform vergriffen, aber auf der eigens für die Ausstellung entwickelten Website www.kirszenbaum.vhs-weimar.de zum Download bereit steht, ebenso wie die Ausstellungstafeln, verschiedene Podcasts, ein Video zu Kirszenbaums Lebensstationen sowie ein Audiofile für Sehbehinderte.


Die Ausstellung ist bis Dienstag, 19.03.2024 im beccult in Pöcking zu sehen. Die vhs StarnbergAmmersee ist gerne bereit die Ausstellung an weiteren Orten zu zeigen und so dem Vergessen jüdischer Kultur entgegenzuwirken.  

 

Von links nach rechts: Sachgebietsleitung Britt Grobholz, 2. Bürgermeister Albert Luppart, 1. Bürgermeister Rainer Schnitzler, vhs-Vorstandsvorsitzende Christine Loibl, Kulturreferentin der Gemeinde Feldafing Karin Bergfeld, 3. Bürgermeister Wolfram Staufenberg, Kunsthistoriker Stefan Müller.
18.04.24 22:23:04