Syed, Renate Privatdozentin an der LMU München, Gastdozentin an der Hochschule für Philosophie und vhs-Dozentin
Das alte Indien hat eine bemerkenswerte Staats- und Politiktheorie formuliert, so das Arthashastra im 3. Jh. v. Chr., der Nitisara und die Epen, vor allem das Mahābhārata. Die heutige indische Außenpolitik, vor allem die von Indiens erstem Premier konzipierte und bis heute gültige Konzeption, ist von altindischen Theorien beeinflusst; Pragmatismus, Flexibilität, "India First" und eine weitgehende „strategische Autonomie“ sind bis heute maßgebliche Prinzipien. Gleichzeitig wirken traditionelle altindische Modelle der Gesellschaft, so das Kastensystem, in Indien bis heute. Die beiden Vorträge gehen den Fragen nach, inwieweit das moderne politische Denken von Traditionen beeinflusst wird, was "Staat" und "Gesellschaft" bedeute(te)n und wie Indien zu Krieg und Frieden stand und steht. Wie ist das Verhältnis von „Moderne“ und hinduistischer Tradition in Hinblick auf die in der Verfassung verankerte "Säkularität" zu verstehen. Was bedeutet die hindukonservative Politik der BJP für das heutige Indien?
"Die interessanteste Meinung ist die der Anderen" - so lautet ein Plakatmotiv der Volkshochschulen. Und tatsächlich lohnt es sich, den Blick über vertraute Denkweisen hinaus zu richten. Gerade in herausfordernden Zeiten können ältere und kulturell entfernte Philosophien neue Orientierung geben, Halt vermitteln und überraschende Perspektiven eröffnen. Dieser Vortrag stellt zwei bemerkenswerte "andere" Positionen vor: die Lehren der indischen Bhagavadgītā (entstanden etwa um 300 v. Chr.) und die Philosophie Immanuel Kants (1724–1804). Zwischen beiden Denksystemen liegen mehr als zwei Jahrtausende - und dennoch finden sich erstaunliche Parallelen. Unabhängig voneinander entwickeln sie Antworten auf eine zentrale Frage: Wie kann ein gutes Leben in unruhigen Zeiten gelingen? Ihre Empfehlungen lauten: Pflichterfüllung, Wohlwollen und Gelassenheit - und zwar gerade jetzt.